fredo g. – Modedesigner
Trachtenmode

Lederhose und Dirndl kommen ja glücklicherweise nie aus der Mode, auch wenn die meisten sie ja nur noch auf dem Oktoberfest tragen. Gott sei Dank verändert sich aber trotzdem von Jahr zu Jahr was, so dass es auf der Wiesn immer wieder was neues zu sehen gibt. Die Tracht hat sich ja eigentlich aus dem ganz normalen Alltagsgewand entwickelt. Natürlich gabs da schon immer große Unterschiede zwischen der Tracht von Bauern und der gehobenen Bürgerschaft, so wie man ja auch heute vom Billig-Dirndl bis hin zur handbestickten Hirschledernen für mehrere tausend Euro alles kaufen kann.

Früher, sagen wir mal so vor 50 Jahren, sahen die Trachten ja noch ganz anders aus als heute. Die Farben waren gedeckter und am meisten vertreten waren schlichte Kombinationen wie Blau/Weiß, Grün/Weiß, Rot/Schwarz etc., eben alles Farben, die gut zusammenpassen, aber nicht weiter für Aufsehen sorgen. Auch die Stoffe waren einheitlicher, es gab einfach nicht diese Vielfalt, wie man sie heute in den Trachtenläden findet. Den stärksten Wandel findet man meiner Meinung nach aber bei der Länge. Das klassische Festtagsdirndl war damals wadenlang, dann gab es noch lange Dirndl bis zu den Knöcheln und das kurze Dirndl, das knapp über dem Knie endete.

Heute kann es gar nicht kurz genug sein, Minidirndl bis zur Mitte des Oberschenkels oder sogar noch kürzer sind an der Tagesordnung. Die Farben sind grell, bunt und leuchtend, pink und orange werden fröhlich mit allem möglichen anderen kombiniert. Die Stoffe sind glänzend und auffällig gewebt, Einheitlichkeit ist verpönt. Diesen Wechsel begrüße ich natürlich sehr, warum sollte sich das Dirndl nicht an die restliche Mode anpassen? Ein bisschen anderst siehts ja außerdem bei der Lederhose aus, da hat sich eigentlich nichts verändert, außer, dass immer billigeres Material bei den günstigen Lederhosen verwendet wird.

Und was sich auch hin zur Moderne ändert ist das Kaufverhalten der jungen Kundinnen. Diese gehen zum Dirndl kaufen nicht mehr unbedingt in den Laden, sondern schauen erst mal im Netz. Das sieht man an den zahlreichenden, aus dem virtuellen Boden wuchernden Shops.Find ich voll okay, wenn die Einkaufsmeilen mal ein paar Hundert Leute weniger ertragen müssen, dann schlendert es sich wieder angenehmer durch die bay’rischen Innenstädte.

Auch im Modedesign spielen Trachten immer wieder eine Rolle.